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Text von Tina van de Weyer zur Ausstellung:

„Ludwig van“ (2020) von Tina van de Weyer

Künstlerin

Tina van de Weyer (*1985) studierte von 2011 bis 2016 Foto- und Videokunst an der Kunsthochschule für Medien Köln bei Beate Gütschow und Hörner/Antlfinger und schloss mit dem Diplom der Medialen Künste ab. 2014 studierte sie im Rahmen eines DAAD-Auslandstipendiums an der Nationalen Universität Bogotá.
Die Arbeiten der Medienkünstlerin werden international auf Ausstellungen und Festivals gezeigt.
Sie lebt und arbeitet in Bonn – aktuell mit dem Atelierstipendium des Bonner Kunstvereins und der Stadt Bonn.

Tina van de Weyer erweitert die klassischen Medien mit neuen von ihr definierten Parametern. Ein Foto wird zum Objekt, welches in den Raum hineinragt – eine Videoarbeit wird zu einer mehrdimensionalen Installation.
Die Naturbeobachtung sowie die Umsetzung und Umgestaltung des Gesehenen in eine neue bildnerische Realität sind die Voraussetzung für ihr künstlerisches Schaffen.
Mit ihren Arbeiten evoziert Tina van de Weyer Spannungen und Emotionen, welche die Betrachter*innen näher an sich selbst heranführen. Die individuelle Bewertung und Interpretation überlässt die Künstlerin bewusst ihrem Publikum. Für Tina van de Weyer ist die Kunst ein Versuchsaufbau, in dem sie fortwährend die Grenzen der Medien erprobt.

Werk

Das Porträt Ludwig van Beethovens ist in unserem kulturellen Gedächtnis fest verankert. Von diesem bekannten Bild ausgehend stellt Tina van de Weyer für die Tangentiale 2020
die Inszenierung des Protagonisten Alex aus dem Film „A Clockwork Orange“ von Stanley Kubrick gegenüber.
Jene destruktiv veranlagte Persönlichkeit von Alex, welche keinerlei Normen und Werte akzeptiert, bringt Beethoven in eine moralisch verfänglich anmutende Position.
Dabei steht die 9. Sinfonie – wie kaum ein anderes Werk der Musikgeschichte – im öffentlichen Diskurs für das „Gute“ an sich.
Durch die Verbindung der „Neunten“ mit dem Protagonisten entsteht qua Assoziation eine neue, explosive Beethoven-Botschaft.
Die reflektierte Verbindung konträrer Aspekte in Tina van de Weyers Arbeit bietet hiermit die Chance einer Neubewertung und Korrektur pauschaler Interpretationsansätze.